Eva Engelbert

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EVA ENGELBERT
Land der Hämmer ( zukunftsreich )

Concrete, stone, wood, 120 x 40 x 40 cm

»Die strukturelle Pathologie eines Gebäudes ist ein Diagramm, das die Einflüsse einer verworrenen und potenziell endlosen politischen / natürlichen Umwelt registriert; sie verzeichnet jährliche Temperaturschwankungen und kaum wahrnehmbare Veränderungen der Luftfeuchtigkeit und Umweltverschmutzung, die ihrerseits Anzeichen für politische Veränderungen, Verhaltensmuster und Tendenzen sind.«
—Eyal Weizman, Forensische Architektur: Notizen von Feldern und Foren, dOCUMENTA (13) : 100 Notizen – 100 Gedanken, # 062 ( Ostfildern: Hatje Cantz, 2012 )

In einem Akt, der zwischen Zerstörung, Recycling und (theo­retischer) Neu-Aktivierung der Ruine des Schirachbunkers oszilliert, werde ich laut. Land der Hämmer (zukunftsreich) ist skulpturales Artefakt meiner Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und konserviert eine persönliche Handlung. Der Impuls, die Betonüberreste zu zerschlagen, artikuliert räumlich die »Befreiung« von einer Architektur, die ich als politische Zwangsweste, als Instrument der Macht und der Kontrolle wahrnehme. Zugleich zerlege ich das Material durch diesen Prozess in seine Bestandteile und fertige daraus eine fragile Plastik. Die Brocken werden mit Zement und Sand gemischt und zu Platten gegossen, die, übereinander geschichtet, verschiedene Verarbeitungsweisen darstellen: Manche sind vollkommen abgeschliffen, aus anderen ragen noch unzerhauene Brocken heraus, die sich nicht auflösen wollen.

Das Unauflösbare: Der Terrazzo-Boden in der großmütterlichen Küche des Nachkriegs-Gemeindebaus, geformt aus den Trümmern der zerbombten Stadt. Mein Kampf im tarnenden Häkeleinband im Bücherregal des Großvaters. Die Steinbrüche im Wienerwald, die das nahe gelegene Zementwerk – das größte Österreichs – belieferten. Detaillierte Pläne des Bunkers im Stadt- und Landesarchiv, die bis zur Kapitulation der Nationalsozialisten adaptiert und verbessert wurden; sie sind Zeugen der Vermählung von Architektur und ideologischem Wahnsinn.

Hammer und Meißel, Atemmaske und Gehörschutz, Steine und Beton, Schotter und Staub. Der Bunker ist ein Ort im Wald, an dem das Fortwirken der Vergangenheit in unserer Gegenwart spürbar ist, an dem unterschiedliche Standpunkte und Möglichkeiten der Bezugnahme auf (die eigene) Geschichte gemeinsam diskutiert werden können.